„Wir behalten den Fortschritt der digitalen Entwicklung im Auge“

Das Dentallabor Aesprodent wurde 2003 von Zahntechniker Meister Markus Schade gegründet. Er  fertigt seit 2008 mit seinem zehnköpfigen Team, an dessen Spitze drei weitere Meister stehen, in Northeim hochwertigen Zahnersatz.  Schade  ist stolz darauf, selbst Zahntechniker auszubilden.

NewsletterInnovation: Herr Schade, was ist das Besondere an Ihrem Labor?
Markus Schade: Wir können uns kurzfristig auf Kundenwünsche einstellen. Möglich wird dies durch handwerkliches Geschick in Verbindung mit moderner Technologie. Dafür wurden wir vor zwei Jahren von der Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie mit dem Preis für das deutschlandweit zweitbeste Zahnlabor ausgezeichnet. 

Was genau meinen Sie mit „moderner Technologie“?
Aesprodent besitzt seit fünf Jahren eine eigene CAD/CAM-Anlage. Damit können wir Vollkeramik vollautomatisch fräsen. Sogenannte „Custom Abutments“, Befestigungen für Implantate, designen wir individuell. Wir stehen in den Startlöchern, um digitale Daten, die beim Zahnarzt durch intraorale Scans erfasst werden, weiterverarbeiten zu können. Zurzeit scheint jedoch die Genauigkeit der Scanner die Zahnärzte noch nicht zu überzeugen. Unsere Kunden setzen die Technik, deren Vorteile die  Lieferanten in der Darstellung in Echtzeit, Vermeidung von Infektionsgefahren und Freiheit von Modellverschleiss sehen, noch nicht ein. Wir dagegen scannen Gipsmodelle. Im Trockenen ist die Genauigkeit der Scanner ausgezeichnet.

Ihre Kunden sind Zahnärzte. Doch nicht nur der Zahnarzt muss zufrieden sein, sondern auch dessen Patienten. Worin bestehen die Vorteile der digitalen Technik für sie?
Wir können Materialien einsetzen, die ästhetischer und kostengünstiger, aber nur digital zu verarbeiten sind. Ein Beispiel sind Kronen aus Zirkonoxid. Seit gut drei Jahren stellen wir sie her.

Bisher haben wir über Vorteile gesprochen. Sehen Sie auch Risiken in der Digitalisierung?
Nur dem exzellenten Zahntechniker gelingt es, digitale Techniken so einzusetzen, dass die hohen Qualitätsstandards erfüllt werden. Es ist eine Illusion, zu glauben, mit diesen Methoden könne nun jeder ganz leicht Implantate herstellen. Die Digitalisierung kann auch zum wirtschaftlichen Risiko werden. Einige Labors haben im sechsstelligen Bereich investiert und dafür eine Technik bekommen, die sehr schnell veraltete. Wir bei Aesprodent wägen Chancen und Risiken genau gegeneinander ab.

Herr Schade, wie vermeiden Sie solche Risiken?
Wir haben eine klare Strategie entwickelt. Edelmetalle werden nach wie vor vergossen. Bei Nicht-Edelmetallen, wie beispielsweise Kobalt-Chrom-Molybdän, hat sich das Lasersintern bewährt. Es ist mit einem digitalen 3D-Modell, welches wir mit dem Scanner erzeugen, möglich. Mit einer Software wird das digitale Modell in einzelne Druckschichten geschnitten und an den Laserdrucker gesendet. Dieser zeichnet das Modell Schicht für Schicht auf die Metallpulverschicht. Ist der Vorgang abgeschlossen, wird das Produkt aus dem Pulver genommen. Im Bereich der Metalle arbeiten wir mit qualifizierten, industriellen Dienstleistern zusammen. Die Keramiken dagegen bearbeiten wir in unserem Labor in Northeim selbst. Wegen seiner Festigkeit und Ästhetik setzen wir besonders gern Zirkonoxid. Dafür haben wir früher das Elektrophorese-Verfahren genutzt.  Heute erzielen wir mit der CAD/CAM-Technik eine noch viel höhere Transparenz. 

Der neueste Hype in der Dentaltechnik ist der 3D-Drucker. Was sagen Sie als Praktiker und Unternehmer dazu?
Wir verfolgen die Entwicklung des 3D-Drucks sehr genau. Aus unserer Sicht ist die Technik schon so weit entwickelt, dass wir sie für die Herstellung von Modellen einsetzen werden – sobald wir von den Zahnärzten Dateien geliefert bekommen. Das ist derzeit noch nicht der Fall. Für Kronen und Implantate ist die 3D-Technik noch nicht soweit. Sie erscheint mir aus heutiger Sicht als zu aufwändig, um Vorteile gegenüber den bewährten Verfahren bieten zu können. Auch ein Servicefall könnte zu einem Problem werden.

Welche Auswirkungen hat die fortschreitende Digitalisierung auf die Zahnlabors?
Wir integrieren digitale Technik Schritt für Schritt in das Labor. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Ergebnisse den Qualitätskriterien von Zahnärzten und Patienten entsprechen. Längerfristig werden wir mit weniger Personal auskommen, aber es wird nie so weit kommen, wie Unkenrufe behaupten, dass die ganze Branche gefährdet wird. Es geht einfach nicht ohne das Fachwissen und das handwerkliche Geschick des Zahntechnikers. Mit nachwachsenden Generationen der Zahnärzte und Zahntechniker werden die Veränderungen vielleicht schneller vonstattengehen. Deshalb verfolgen wir sie als innovatives Labor ganz genau. 
Angelika Kolb-Telieps



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