„Volle Konzentration“ neu definiert

Führungskräfte beschleichen immer wieder Zweifel, ob es hilfreicher ist, sich auf das Bauchgefühl zu verlassen oder die Situation doch lieber systematisch zu analysieren und faktenbasiert zu entscheiden. Daniel Goleman, einer der einflussreichsten Psychologen weltweit, fordert nun in seinem Buch „Focus“ von einem guten Manager die Flexibilität, gleich drei Aufmerksamkeitsmodi zu beherrschen: die Fokussierung auf sich selbst und auf andere sowie einen ganzheitlichen Blick auf die Welt.

Innenfokussierung
In diesem Aufmerksamkeitsmodus stehen Selbstwahrnehmung und Feedback von anderen im Mittelpunkt. Dazu gehören aber auch Selbstbeherrschung und kognitive Kontrolle. „Über eine kognitive Kontrolle verfügen beispielsweise Menschen, die in Krisensituationen Ruhe bewahren, ihre eigene Aufregung bezwingen und nach Niederlagen oder Katastrophen schnell wieder auf die Beine kommen.“ führt Goleman im Februar im Harvard Business Manager aus. Eine neuseeländische Studie führte beispielsweise zu dem interessanten Ergebnis, dass Menschen, die sich schon als Kinder selbst unter Kontrolle hatten, später sogar finanziell erfolgreicher werden.

Fokussierung auf andere 
Menschen, die sich gut auf andere fokussieren und damit soziale Beziehungen aufbauen können, fällt automatisch eine Führungsrolle zu, unabhängig von der Hierarchie. Ihre Meinung ist gefragt und jeder arbeitet gern mit ihnen zusammen. Bei der Außensicht kommt es auf zwei Arten der Aufmerksamkeit an: die Emotionen anderer wahrzunehmen und sich bewusst darauf zu konzentrieren, welche Resonanz die Gefühle anderer auslösen. Der amerikanische Psychologe Dacher Keltner hat in Untersuchungen herausgefunden, dass es Führungskräften umso schwerer fällt, persönliche Beziehungen aufzubauen, je höher sie in der Hierarchie wandern.

Außenfokussierung
Führungskräfte mit dem ganzheitlichen Blick auf die Welt können gute Fragen stellen, erkennen als Visionäre weitreichende Konsequenzen von Entscheidungen und sind ständig auf der Suche nach Innovationen. Sie können ihre Gedanken schweifen lassen, um neue Wege zu erkunden.

Fazit für den Innovationsmanager
Auch ein guter Innovationsmanager sollte zwischen den drei Aufmerksamkeitsmodi wechseln. Mit der Außenfokussierung gelingt es ihm, Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens in innovativer Weise mit internen Ideen zu verknüpfen, Innovationspotenziale zu erkennen und damit einen Beitrag zur strategischen Ausrichtung zu liefern. Allerdings kommt es für ihn auch darauf an, Teams, Kollegen und Geschäftsführer von seinen Ideen zu überzeugen. Das ist unmöglich, wenn er sich diesen Menschen nicht emotional zuwenden kann. Der Innovationsmanager muss wahrnehmen können, wie er auf andere wirkt und um authentisch auftreten zu können, seine Selbstwahrnehmung schärfen. Nicht jedes Innovationsvorhaben führt zum Erfolg, aber eine gute kognitive Kontrolle hilft dem Innovationsmanager schnell über den Frust hinwegzukommen und neue Aufgaben anzupacken. Die Botschaft der Psychologen ist glücklicherweise die, dass wir jede Form der Fokussierung lernen und ausbauen können.
ak-t

Weiterführende Literatur:
Daniel Goleman: Der fokussierte Manager. Harvard Business Manager Februar 2014. S. 18 – 30
Daniel Goleman: Focus. The Hidden Driver of Excellence. Harper 2013



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