Venture Capital für den Übergang von der Gründungs- in die Wachstumsphase

Felix und Annicka gründeten TourKat vor gut zwei Jahren. Inzwischen haben sie schon 20 Mitarbeiter eingestellt. Der Geschäftsinhalt von TourKat ist das Programmieren von Tools zur menügesteuerten Katalogerstellung in der Touristikbranche. Felix und Annicka haben gute Gewinne erzielt, aber die Rücklagen reichen für den nächsten Schritt, der Expansion ins europäische Ausland, nicht aus. Dafür benötigt TourKat eine kleine Marketingabteilung und ein effektives Controlling. Bisher erledigen Annicka und Felix diese Aufgaben selbst, aber sie wollen sich zukünftig stärker auf die Weiterentwicklung von TourKat, vor allem auf die Organisationsstruktur und die Führung der Mitarbeiter, konzentrieren. Für Marketing- und Controllingtätigkeiten werden sie dann keine Zeit mehr haben.
TourKat hat den Punkt, an dem weiteres Kapital erforderlich ist, schnell erreicht. Früher oder später stehen jedoch auch andere junge Unternehmen, die ihren Kurs auf Wachstum eingestellt haben, vor der Entscheidung, wie sie dieses finanzieren können und wollen. Banken halten sich schon einmal bedeckt, dafür langfristig größere Summen zur Verfügung zu stellen, weil ihnen ausreichende Sicherheiten fehlen. Eine andere Option ist in dieser Phase Venture Capital (VC). Fast 750 Unternehmen nahmen in 2012 Venture Capital in einer Höhe von insgesamt 521 Mio. Euro in Anspruch. In 2013 steigt die Tendenz. Wegen der niedrigen Leitzinsen füllen sich die von den Kapitalgebern zur Verfügung gestellten Fonds wieder. Nach der Krise waren sie in 2012 auf ein langjähriges Tief gesunken. Doch nach wie vor fokussieren deutsche Venture Capital Gesellschaften, eine Untergruppe der Private Equity-Kapitalgeber, auf Investments mit geringem Risiko und begrenztem Kapitalbedarf, was in dieser Branche 0,5 Mio. Euro aufwärts bedeutet.
Unsicherheit herrscht bei jungen Unternehmen häufig auch darüber, welche Schritte sie unternehmen müssen, um Venture Capital zu erhalten. Felix und Annicka nutzten einen VC-Event, um ihren Elevator Pitch vorzustellen. Dieser überzeugte die Kapitalgeber, die einen Termin für ein persönliches Gespräch mit ihnen vereinbarten. Ein Elevator Pitch dauert in der Regel zwischen einer halben und zwei Minuten und muss einen Überblick über die Geschäftsidee bieten. Venture Capital-Geber erwarten, dass die Unternehmen im Elevator Pitch das Problem und den Lösungsansatz darstellen, aber auch von den Fähigkeiten des Managements überzeugen und finanzielle Vorteile für die Investoren zum Zeitpunkt des sogenannten Exits ansprechen. Denn VC-Geber investieren für drei bis fünf, vielleicht auch für sieben Jahre. Danach wollen sie sich gewinnbringend zurückziehen. Das kann auf unterschiedlichste Weise geschehen: durch Rückkauf der Anteile durch die Alteigentümer, durch die Suche nach einem anderen Kapitalgeber, durch den Verkauf des Unternehmens oder auch in Form eines Börsengangs. Beispiele für Elevator Pitchs sind auf fuer-gruender.de zu finden.
Annicka und Felix bereiten sich jetzt auf das persönliche Gespräch vor. Dazu gehört zunächst eine Analyse, welche Erwartungen sie selbst an die Investoren stellen. Sie wissen, dass diese Mitspracherechte bei wichtigen Entscheidungen beanspruchen. Auf der anderen Seite stellen die Kapitalgeber in unterschiedlichem Umfang Beratungsdienstleistungen zur Verfügung. Dann müssen Felix und Annicka den Businessplan auf Vordermann bringen. Das ist viel Arbeit. Vielleicht lassen sie sich durch einen Berater unterstützen. Welche Vereinbarungen müssen sie im Vorfeld treffen: zur Geheimhaltung, zur Exklusivität? zur Kostenübernahme einer Unternehmensbewertung, der sogenannten Due Diligence? Wie hoch soll die Beteiligung genau sein? Als erstes stellen sie einen Aktionsplan zusammen, der sie durch die vorbereitenden Arbeiten führen wird. Sie wollen sich gut vorbereiten, um die Finanzdienstleister zu überzeugen. Dazu müssen sie eine Reihe von Dos und Don’ts beachten.
Zum Beispiel wurden Anträge zurückgewiesen, weil

  • die Produkte oder Dienstleistungen im anvisierten Markt bereits ausreichend vertreten waren,
  • Umsatz- und Ergebniserwartungen utopisch anmuteten,
  • ein Break-even erst sehr langfristig zu erwarten war,
  • ein Kundennutzen nicht erkennbar war oder
  • das Vorhaben keine Exit-Story enthielt.

Kriterien für Vorhaben, die weiter verfolgt wurden, sind dagegen unter anderem:

  • ein klar nachvollziehbarer Kundennutzen,
  • ein bereits existierender Prototyp,
  • ein Team mit hoher Fach- und Managementkompetenz,
  • eindeutige Alleinstellungsmerkmale und
  • ein realistischer, mittelfristiger Break-even.

ak-t 



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