Rezessionsprognosen für Deutschland: Handeln ist angesagt

Die OECD rechnet im zweiten Halbjahr 2012 in Deutschland mit einem leichten Schrumpfen des Bruttosozialprodukts. Im letzten Quartal sollen es 0,2 Prozent werden. Die Auftragslage der deutschen Industrie gestaltet sich volatil: Einem Auftragseinbruch von 1,6 Prozent im Juni folgte ein Anstieg von 0,5 Prozent im Juli.

Unternehmen, die aus der Krise gelernt haben, sind nicht bange. Wie ein Mittelständler der Euro-Krise trotzt, erfahren wir in Zeit Online. Berichtet wird über die Polytron GmbH, die mit 82 Mitarbeitern in Bergisch-Gladbach Kunststoffprodukte herstellt und damit einen Jahresumsatz von 12 Millionen Euro erwirtschaftet. Der November 2008 war für Geschäftsführer Fred Arnulf Busen eine Katastrophe. Er musste Kurzarbeit anmelden. Aber er hat nicht resigniert. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern drehte er „jeden Stein um“. Alle Arbeitsschritte wurden daraufhin analysiert, wo sie Zeit und Energie sparen konnten. Polytron hat seitdem größere Finanzreserven und ist flexibler, schnell investieren zu können. Banken, die sich verspekuliert haben und mit Krediten knausern, können ihn nicht mehr schrecken.

Polytron hat auch den Entwicklungsprozess verändert. Die Ingenieure gehen direkt zum Kunden und entwickeln für jeden Kunden ein eigenes Produkt. Wenn die Maschine repariert werden muss, fertigt Polytron Ersatzteile. Busen erklärt: „Das macht es sehr schwer, uns zu kopieren. Wir arbeiten quasi in einer Nische in der Nische.“ Billigprodukte muss Polytron nicht mehr fürchten. Abhängigkeiten wurden dadurch minimiert, dass die Kunden aus unterschiedlichen Branchen und Ländern kommen.

Diese Zuversicht herrscht nicht überall. Mittelstandsforscher Frank Wallau warnt: „Die Exportindustrie kann den Nachfragerückgang aus den Krisenländern irgendwann nicht mehr durch steigende Exporte in Nicht-EU-Länder kompensieren.“ Unternehmen, die ihren Erfolgskurs halten wollen, müssen handeln. Sei es durch Innovationen im Produktentwicklungsprozess, wie Polytron, oder durch neue Geschäftsmodelle. So führte die Aberdeen Group in 2011 eine B2B-Befragung durch. Als wesentliche Herausforderungen wurden genannt: Logistik- und Rohmaterialkosten, steigende Komplexität im globalen Geschäft und hohe Service-Erwartungen der Kunden. Die meisten Befragten sehen die Antwort in Kollaborationen mit Lieferanten, Partnern und Kunden, um einen besseren Überblick über die gesamte Wertschöpfungskette zu erlangen. Darüber hinaus führten sie gemeinsame Plattformen ein für Bestellungen, Rechnungen, Prognosen und Transporte und erreichten Vorteile beim Verwaltungsaufwand und bei der Kundenzufriedenheit. Sie konnten Fehler und Kosten reduzieren.

In jedem Unternehmen schlummern Potenziale, sei es im Bereich von Produkten, Prozessen oder Geschäftsmodellen. Sie müssen jetzt gehoben werden, um das Unternehmen robust gegen mögliche Rezessionen zu machen.

ak-t



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