Mobilitätskonzepte aus Sicht von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

Am 10. Februar fand in Essen der 19. Fachkongress Zukunftsenergien statt. Eines der Schwerpunktthemen war die Elektromobilität. Hier wurde ein guter Überblick über die Lage gegeben, den Zulieferer als Szenario für ihre Strategiearbeit einsetzen können.

Dr. Sylke Termath aus dem Umweltschutzministerium NRW stellte das in Bild 1 gezeigte Szenario der Antriebssysteme für Pkw des Wuppertaler Instituts vor. Thermat erwartet einen Rückgang der Dieselmotoren von jetzt über 70 % auf etwa 40 % im Jahre 2050. Im selben Zeitraum sinkt der Anteil der Dieselantriebe von jetzt 26 % auf nur noch 5 %, erlebt im Jahre 2030 aber ein Zwischenhoch von fast 30 %. Aus diesem Szenario geht die Brennstoffzelle mit einem Zuwachs von fast 20 % als Sieger hervor, gefolgt vom Elektro- und Hybridantrieb.

Der Aktionsplan Nahmobilität der Landesregierung NRW arbeitet jedoch auf ein verändertes Nutzungsverhalten der Mobilitätsmöglichkeiten hin. Im Nahbereich bis zu 3 km sollen Fußgänger dominieren und bis zu 7 km das Fahrrad. Pedelecs, Bus und Bahn sieht NRW im Bereich 1 – 50 km. 20 – 35 % des nationalen Verkehrs zwischen 1 km und 800 km sollen idealerweise vom Auto abgedeckt werden. Folgerichtig werden Elektromobilität und die Forschung auf diesem Gebiet weiterhin gefördert. Parallel dazu sollen H2-Tankstellen und –Busse unterstützt werden. Auch ein Projekt für emissionsarme Binnenschiffe ist eine Maßnahme.

Den Fokus auf das Netzwerk Verkehr – Energie – Informations- und Kommunikationstechnologien legte Dr. Frank Wolter vom Innovation Center for Mobility and Societal Change (InnoZ).  Waren die drei Bereiche in der Vergangenheit autark, so sieht Wolter heute vernetzte Inseln und erwartet in der Zukunft eine Verschmelzung der Branchen. Seine Vision für CO2-freie Städte beinhaltet eine stärkere Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, CO2-freies Bike- und Car-Sharing als Bestandteil der Energienetze (Smart Grids). Diese Sicht spiegelte auch das Forum „Netze und Speicher im Kontext virtueller Kraftwerke“ wieder. Eine große Herausforderung der Stromnetze besteht nach wie vor in der fehlenden Speicherkapazität. Zumindest gedanklich sind Elektrofahrzeuge schon eingebunden.

Das Car-Sharing untersuchte Markus Frömgen von der BBE Automotive GmbH näher.  Den höchsten Zuwachs von 347.000 Nutzern innerhalb eines Jahres konnte Free Floating verzeichnen, wobei das Leihfahrzeug innerhalb eines fest definierten Nutzungsgebiets auf jedem freien Parkplatz abgestellt werden kann.  51 % der Deutschen über 18 können sich grundsätzlich vorstellen, Car Sharing zu nutzen, 16 % sogar das eigene Auto abzuschaffen. Tatsächlich sind es aktuell jedoch nur 1,7 % der 60 Millionen Führerscheinbesitzer, die Car Sharing nutzen. Auf dem Land funktioniert  Free Floating nicht.  Trotz rückläufiger Bevölkerung in Deutschland ist die Pkw-Dichte in den letzten fünf Jahren um 7,1 % gewachsen, interessanterweise auch der Anteil der über zehn Jahre alten Fahrzeuge um 5,2 %. Der Pkw-Bestand insgesamt hat in diesem Zeitraum um 5,8 % zugelegt. Wolters Fazit: Car Sharing wird ein fester Bestandteil unserer automobilen Welt werden, diese aber in den nächsten fünf Jahren nicht entscheidend beeinflussen.

ak-t



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