Mobilität unter Strom

Auf der ecartec, der neuen Leitmesse der Automobilbranche, hat die Zukunft schon begonnen. Vom 18. bis zum 20. Oktober 2011 konnten die Besucher nicht nur Sonderlinge, sondern auch die ersten Elektro-Serienfahrzeuge, wie den Mitsubishi i-Miev bestaunen. Dieser hat sich auf Japans Straßen bereits als Serienauto etabliert. Ich habe mich bei meinem Bummel über die Messe besonders für die Erfolgsfaktoren der E-Mobilität interessiert. Heute zeige ich Ihnen an einigen Beispielen, wie sich Unternehmen unterschiedlichster Größe in diesem Szenario aufgestellt haben.

Das Sorgenkind ist nach wie vor die Batterie: Kurze Reichweite und lange Ladezeiten prädestinieren reine Elektrofahrzeuge für Kurzstrecken. Dabei sollten wir im Hinterkopf behalten, dass etwa 80% der Fahrten Kurzstrecken sind, die ein Elektrofahrzeug mühelos bewältigt. Trotzdem ist die Batterie Anlass für zahlreiche Entwicklungsprojekte, angefangen beim Lithium, wie Christoph Hartwig von Chemetall in seinem Vortrag am Eröffnungstag darlegte. Für Sicherheit, Stabilität und längere Lebensdauer sollen in 2020 Lithium-SchwefelSysteme sorgen. Für 2030 erwartet Hartwig den Durchbruch von Lithium-Luft-Batterien. Am Ende der Wertschöpfungskette bei der Batterieherstellung ist das Braunschweiger Unternehmen I + ME ACTIA. Dort werden Softwarelösungen entwickelt und aus einzelnen Zellen komplette Batterien zusammengestellt. Für Key Account Manager Matthias Meinel steht der Stoffkreislauf im Zentrum: „Ist die Reichweite nicht mehr ausreichend für ein Elektroauto, kann die Batterie als Speicher in Gebäuden genutzt werden, bevor sie für den erneuten Einsatz in Zellen recycelt wird.“ In diesem Sinne beteiligt sich I + ME ACTIA an Entwicklungsprojekten im Cluster Mobility der Metropolregionen Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfenbüttel.

Den XPrice -Sieger 2010 stellte TWIKE mit dem TW4XP vor. Das Dreirad mit Elektromotor und Tretpedalen gewann unter 136 Teilnehmern aus aller Welt den dritten Preis im amerikanischen Wettbewerb um das effizienteste Fahrzeug, unabhängig von der Antriebsart. Barbara Wilms, verantwortlich für das Marketing beim Hersteller Fine Mobile, weist auf die Reichweite des Fahrzeugs hin, das sie zwischen Pedelec und Auto einordnet: „160 km werden mit der Leistung der Batterie erreicht und das bei einer möglichen Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Das Geheimnis liegt im Leichtbau aus Aluminium und Kunststoff.“ Insgesamt wurden über 850 TWIKEs für den Straßenverkehr zugelassen.

Elektromobilität als Chance für Mittelständler! Als Beweis dafür steht das schwäbische Unternehmen ZiehlAbegg. Ursprünglich als Weltmarktführer für Ventilatoren und konventionelle Antriebe bekannt, erschließt sich Ziehl-Abegg einen völlig neuen Markt mit Radnabenmotoren für Busse. Ralf Arnold, Leiter des Geschäftsbereichs Antriebstechnik, verkündet stolz: „Fünf Testbusse rollen durch die Niederlande, zwei in Schweden und weitere zwei in Südkorea.“ Der Mittelständler ist ein Beispiel dafür, wie sich Unternehmen aus anderen Branchen im Markt der Elektromobilität ihre Nische sichern können. Er ist nicht länger ausschließlich den traditionellen Automobilisten vorbehalten.

Den Vorteil von Kooperationen veranschaulicht e-votion, eine Business-Unit des Systemanbieters SYNFLEX Elektro aus Blomberg, u. a. unter Einbeziehung des Lackdrahtherstellers Schwering & Hasse (SH) aus Lügde. Dr. Andreas Levermann, Geschäftsführer von Synflex und SH, erläutert: „Wir bieten gemeinsam mit weiteren ausgewählten Partnern ein komplettes Elektro-Isolier-System an, vom Kupferlackdraht über sämtliche Isolationsmaterialien bis zu Tränkharzen. Aktuelle Herausforderungen dabei sind u. a. eine prozesssichere Hochspannungsfestigkeit der Drähte sowie die Verbesserung der Drahteigenschaften zur Steigerung der Energieeffizienz von Motoren. Die Innovation liegt im Produkt selbst, aber auch stark im Fertigungsprozess, seiner Steuerung und Überwachung, damit wir die Produktanforderungen sicher erfüllen." e-votion beliefert viele Hersteller von Elektromotoren und arbeitet auch am Aachener Projekt "StreetScooter" mit, wo mehr als 20 Unternehmen und Institute ein völlig neues Konzept für Elektromobilität auf die Beine stellen.

Rechnet sich ein Elektroauto für mich? Messebesucher konnten dies bei emobility-web.com checken. „Seitdem die Web 2.0-Plattform vor einem halben Jahr ins Leben gerufen wurde, fanden sich bereits 50.000 User ein“, kommt Geschäftsführer Thomas Aschenbrenner ins Schwärmen. Neben Informationen bietet die Plattform Diskussionsforen, Blogs und 1.500 "Points of Interest" wie Tankstellen, Händler und vieles mehr. emobility-web ist eine moderne, vollintegrierte SocialWeb-Plattform und bietet umfassende Informationen und Übersichten bis hin zu Anwendungen rund um die „Neue Mobilität“. Der Fokus liegt dabei im Austausch der Anwender, der Industrie und Institutionen.

Welches sind nun die Erfolgsfaktoren für E-Mobilität? Es sind herausragende Technologien, wie besonders das Beispiel Batterie zeigt. Die Technik ist inzwischen so komplex und interdisziplinär, dass Kooperationen, wie evonik oder auch die Cluster, einen gewaltigen Anschub für den Durchbruch geben. Doch schon Einstein sagte: „Der Problemraum ist nicht der Lösungsraum.“ Getreu diesem Motto gelingt es Car Sharing-Dienstleistern, das Batterieproblem zu überwinden und gleichzeitig einen Beitrag zur Energieversorgung zu liefern: Sie bieten für kurze Wege ein Elektrofahrzeug und für lange Strecken ein Auto mit Hybrid- oder Verbrennungsantrieb an. Der Kunde kann jeden Tag das Fahrzeug wählen, was er braucht, und sei es auch einmal der Porsche fürs Image.

Zusammengefasst sind die Erfolgsfaktoren für die Elektromobilität:

  • Innovative Technologien
  • Kooperationen und
  • Innovative Geschäftsmodelle.

ak-t



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