Mit dem Innovationsteam zur Weltmeisterschaft - Vom Fußball abgeschaut

Das Tempo wird gesteigert. Hatte ein Fußballspieler 2005 durchschnittlich noch drei Minuten, so ist es heute in der Regel weniger als eine Sekunde. Auch die Entwicklungsteams geben die Bälle immer zügiger weiter. Jedes Jahr muss ein neues Handy-Modell her und alle drei Jahre eine neue Plattform in der Automobilindustrie. In den 1970er Jahren waren acht Jahre ausreichend. Bestimmten noch vor 10 Jahren Persönlichkeiten das Fußballergebnis zum Beispiel Beckenbauer, Pelé und Maradonna , so tritt jetzt das Mannschaftsspiel in den Vordergrund, analysierten Betriebswissenschaftler der Universität St. Gallen [1]. Auf ähnliche Weise sind Innovationsteams 2014 erfolgreicher, wenn die Teamarbeit funktioniert. Die Teams überschreiten hierbei in vielen Fällen die Unternehmensgrenzen. Sowohl im Fußball als auch bei den Innovatoren spielte in der Vergangenheit die Hierarchie eine bedeutende Rolle: Passkombinationen erfolgten mechanisch und Projektteams folgten strikt festgelegten Regeln. Eben aus diesem Grund waren Hilfsmittel wie MS Project äußerst erfolgreich. Doch der in beiden Bereichen intensiver werdende Wettbewerb bringt die Akteure an die Grenzen. Burnouts und Krankheitstage nehmen zu. Ein Umdenken ist angesagt!

Das Kollektiv tritt jetzt in den Vordergrund. Im Team werden Entscheidungen getroffen, die einem Einzelnen unmöglich sind. Jeder Spieler agiert positionsübergreifend. Neue Verbindungen und Wege werden auf dem Spielfeld direkt gefunden. Während der Weltmeisterschaft konnten wir es verfolgen und Deutschland hat so den Titel gewonnen. In der Bundesliga machen es die Mannschaften von Bayern München und Borussia Dortmund vor. Auch die Anforderungen im Innovationsgeschehen sind nur noch mit Spitzenteams zu bewältigen, die mehr und mehr interdisziplinär besetzt sind. Von Schwarmintelligenz ist die Rede, wie beispielsweise in einer neuen Studie der European School of Management and Technology nachzulesen ist. Innovative Unternehmen suchen vor allem die Zusammenarbeit mit Kunden: Wer Ideen zur Mobilität der Zukunft hat, kann sie zum Beispiel im BMW Group Co-Creation Lab einbringen. Gefragt sind aktuell Ansätze für den Elektromotor oder zur Fahrzeugkommunikation.

Die große Gefahr für erfolgreiche Teams besteht darin, sich im Erfolg zu sonnen und zurückzulehnen. Hatte das Tiki-Taka den Spaniern vor vier Jahren noch den Weltmeistertitel beschert, so mussten sie in diesem Jahr bereits in der Vorrunde abreisen. Nicht anders erging es 2010 Italien und 2002 Frankreich. Erfolgreich sind bleiben dagegen diejenigen, die das Spiel immer wieder neu erfinden.

ak-t

[1) W. Jenewein et al: Tiki-Taka für Manager. Harvard Business Manager Juli 2014, S. 18 – 29.



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