Lust auf Lernen

Viele von uns sind als Kinder nicht jeden Morgen gern zur Schule gegangen. Auch unsere Eltern machten sich wenig Gedanken darüber, ob das Lernen für uns spaßig war. „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir,“ hieß es. Das soll jetzt anders werden – nicht nur in der Schule, sondern auch an der Universität und in der betrieblichen Weiterbildung. „Lust auf Lernen“ prophezeit die neue Form des agilen Lernens.

Schon der 1850 geborene Pionier der Gedächtsnisforschung Hermann Ebbinghaus fand in Experimenten heraus, dass nach 20 Minuten 40 Prozent des Erlernten vergessen sind. Nach einer Stunde steigt dieser Anteil auf 55 Prozent und nach einem Tag auf 66 Prozent. Dabei experimentierte er mit sinnlosen Silben. Fasste er diese jedoch zu sinnvollen Einheiten zusammen, so konnte er zeigen, dass das Gedächtnis deutlich mehr speichert. Hinzu kommt, dass jeder von uns anders lernt.  Dies erfuhren Morgan McCall und seine Kollegen vom amerikanischen Center for Creative Leadership in einer Studie mit 200 Führungskräften: 70 Prozent behalten die Inhalte am besten, wenn sie etwas selbst tun. 20 Prozent profitieren vom Austausch mit anderen und nur 10 Prozent ziehen den üblichen Frontalunterricht vor.

Aus diesen und anderen Erkenntnissen heraus entwickelt sich das agile Lernen. Da gibt es die Idee des lebenslangen Barcamps als Mitmach-Unit für Erwachsene von openPM auf www.ununi.tv, Webinare von SAP und Plattformen von mindHub.  Informationen werden überwiegend digital angeboten, so dass jeder dann zugreifen kann, wenn er Lust und Zeit dazu hat. Sie werden in kleinen Einheiten mundgerecht serviert und die Lernenden erhalten zeitnah ein Feedback zu ihrem Leistungsstand. Bestenfalls steht jederzeit ein Tutor zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung. Die kleinen Einheiten können Podcasts sein, Videos oder auch Texte, damit für jeden etwas dabei ist. Ein zentrales Element ist der Erfahrungsaustausch mit den Lehrenden und den anderen Lernenden. Überhaupt steht die Kommunikation im Mittelpunkt. An die Stelle der üblichen Unterlagen tritt das Kommunikationsskript.

Auch hybride Formen des Lernens sind denkbar. Dabei werden die sogenannten MOOCs (Massive Open Online Courses) beispielsweise um Vorträge und BarCamps ergänzt. Wahrscheinlich werden wir in nächster Zeit noch mit Alternativen überflutet. Ob agiles Lernen den Frontalunterricht vollständig verdrängt oder in bestimmten Lernsituationen seinen Platz findet, wird die Zukunft zeigen. Sicher ist jedoch, wenn wir uns zukünftig weiterbilden wollen, müssen wir selbst mehr Verantwortung übernehmen. Der Lernende übernimmt die aktive Rolle. Er selbst bestimmt, was er in welchem Zeitraum lernt. Ich selbst habe mit 7.245 anderen Teilnehmern das agile Lernen im MOOC „Hands on Industrie 4.0“ von acatech einmal ausprobiert. Es war einfach praktisch und interessant. Eine Menge behalten habe ich auch.

k-t

[Bildquelle: Fotolia 5498531, 8344098, 61153408]



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