3D-Technik: Der nächste große Schritt in der Dentaltechnik

Dentallabore haben spezielle Wünsche an die Geometrie der Sinterschalen. Dank 3D-Technik können Keramikhersteller diese jetzt erfüllen. Beispiele präsentierte Dr. Dieter Nicolay, Leiter der WZR ceramic solutions GmbH, in der 1. Ausgabe 2015 des digital-dental-magazins. Runde oder eckige Schalen unterschiedlichster Geometrien, auch mit verstärkten Bodenplatten stellen kein Problem dar.

Aber nicht nur Hilfsmittel kommen jetzt aus dem Drucker. Zahnärzte und Patienten entscheiden sich aus Kostengründen manchmal noch für Zahnersatz aus Niedriglohnländern, wie China. Diese Möglichkeit verliert jedoch an Bedeutung, seit die digitale Zahntechnik als noch preiswertere Alternative in Deutschland Einzug hält. Ist der Preis für den Patienten ein Vorteil, so kommt hinzu, dass er seine Krone oder sein Implantat schneller erhält. Nicht nur, dass der 3D-Druck die Fertigungszeiten immens senkt, Zahnarztpraxis und Dentallabor können digital verbunden und Daten in Windeseile übermittelt werden. Im Extremfall stellen Zahnärzte Zahnersatz jetzt sogar im eigenen Labor her.

Der Mineraloge Prof. Dr. Wolfgang Kollenberg von der RWTH Aachen berichtet in der Keramischen Zeitschrift 04/2014 über den Stand der Technik. Die sogenannten Additiven Verfahren haben bereits den Einzug in die Fertigung gefunden. „Beispiele sind vorwiegend im Bereich Metalle zu finden, wie Kronen, Brücken und medizinische Implantate, die mittels Lasersintern hergestellt werden,“ so Kollenberg. Aber die Technik erobert jetzt auch den keramischen Bereich: „Durch die Fertigung entstehen keine nennenswerten Abfälle. Im Gegensatz dazu fallen beispielsweise bei Herstellung von keramischen Restaurationen im Dentalbereich mittels Fräsen bis 90 % ZrO2 Abfall an.“ Das ist teuer! Die additiven Verfahren benötigen keine Werkzeuge und es entstehen keine Abfälle. So wird beim direkten 3D-Druck eine mit Partikeln gefüllte Tinte unmittelbar auf eine Unterlage verdruckt.

Der Marktführer Stratasys hat einen 3D-Drucker speziell für die Zahnmedizin entwickelt. Object 260 kann mit Einsatz der Triple-Jetting-Technologie sogar drei Objekte gleichzeitig drucken. Der Einsatz unterschiedlicher Materialien und Farben ist möglich. Die Objekte können direkt aus DVD Scan-Dateien gedruckt werden. Einer der ersten Kunden ist das österreichische Unternehmen 3Dmedicalprint. Zahntechnikermeister Stefan Remplbauer hat sich als erster Dienstleister in diesem Bereich eine interessante Marktlücke in Österreich erschlossen.

3D-Technik wird auch schon von Dentaltechnikerin Petra Bentz in Berlin eingesetzt. Der 3-D-Scanner digitalisiert die individuelle Kiefersituation und berechnet die exakten Daten, aus denen der Techniker ein perfekt sitzendes Gerüst konstruiert. Dieses Gerüst selbst wird in ihrem Labor jedoch anschließend noch gefräst. Intraoral oder Dentalscanner sind auf dem Markt erhältlich. Aus den Daten wird ein 3D CAD/CAM-Modell erstellt. Ist ein 3D-Drucker vorhanden, kann er direkt aus der Software heraus ein Modell erstellen.

Der Trend ist nicht mehr aufzuhalten. So hat die Singapur University eine Million Dollar, die etwa 550.000 EUR entsprechen, nur für Ausbildung und Forschung im Bereich der Zahnmedizin zur Verfügung gestellt. Das Geld soll vorwiegend für Forschung auf dem Gebiet des Knochen- und Bioengineerings eingesetzt werden. Für Patienten, die Knochen durch eine Zahnentfernung, Krebs oder andere Krankheiten verloren haben, könnte der 3D-Druck die Heilungszeit deutlich reduzieren und die Gesamtstruktur der betroffenen Körperregionen verbessern. Neben Knochen soll auch beschädigtes Zahnfleischgewebe ersetzt werden können.

Die genannten Labore haben die Zukunftschancen erkannt. Als Marktführer haben sie sich bereits ihren Platz erobert. Noch ist die Technik nicht soweit, dass sie die traditionellen Dentalmethoden vollständig verdrängt. Bemerkenswert ist jedoch, wie schnell die 3D-Techniken in den zahnmedizinischen Markt einziehen.

ak-t



Zurück