Ethische Fragen der Digitalisierung

Nicht nur Techniker und Betriebswirtschaftler, sondern auch Ehtiker befassen sich inzwischen mit den Auswirkungen der Digitalisierung. So spricht der Philosoph Rafael Capurro von einer „neuen anthropologischen kund kulturellen globalen Revolution, die sich in atemberaubendem Tempo ausbreitet“. 1) Für ihn stellen sich grundsätzliche Fragen nach der Bedeutung von Freiheit und Autonomie. Capurro vertritt die Ansicht, dass nicht dem Smartphone oder der Maschine-zu-Mensch-Kommunikation gute oder schlechte Eigenschaften anhaften, sondern dass diese aus dem sozialen Kontext erwachsen. „Im Alltag lautet die Frage: Wieweit und aus welchen Gründen will ich meine Freiheit und Selbstverantwortung an ein Algorithmus delegieren?“ Auch die Bedeutung von Autorenrechten und Patentschutz wird auf den Prüfstand gestellt.

Der Journalist und Schriftsteller Florian Felix Weyh hat den Begriff „DigiKant“ geformt und stellt die vier grundlegenden Kantschen Fragen neu: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“ 2) Für ihn hängt heute alles mit Informationen zusammen. „Man begreift die Welt, indem man ihr Informationen abringt.“ Weyh postuliert, dass im Jahre 2050 alles durchdigitalisiert ist. Wir selbst sind im Wissen, brauchen also keines mehr zu erwerben. Konventionelles Wissen, das sich in Doktorarbeiten niederschlägt, wird es seiner Ansicht nach nicht mehr geben. Auf die Frage „Was soll ich tun?“ antwortet er mit Kant: „Handle nur nach der Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Das gilt auch für Rechtsverstöße. Im vernetzten Auto können Übertretungen von Geschwindigkeiten und andere Delikte beispielsweise einfach nachgewiesen werden. Ein mit diesen Makeln behafteter Fahrer wird kein Auto mehr mieten können und erhält auch keine Fahrerlaubnis. Wahrscheinlich wird mit dieser Entwicklung ein Normenwandel einhergehen. Die Überwachungsängste von heute werden belächelt. Der Mensch wird Teil des Gesamtspeichers.

DasInvestment“ berichtete im April über eine Studie von The Economist Intelligence Unit und der Wirtschaftsprüfung Mazars.3) Diese wurde weltweit unter Geschäftsführern und IT-Experten von Finanzdienstleistungsunternehmen durchgeführt. Eines der zentralen Ergebnisse ist, dass 76 % der Unternehmen digitale Technologien nutzen, um ihr ethisches Verhalten zu verbessern. Sie sind der Ansicht, dass sie damit und mit höherer Transparenz ihr Markenimage verbessern konnten.

Die Finanzdienstleister wurden nach der Bankenkrise nicht zuletzt durch die Regularien veranlasst, sich auch dieser Frage zu widmen. Es ist jedoch festzuhalten, dass ethische Fragen in den letzten Jahren im gesamten wirtschaftlichen Bereich an Bedeutung gewonnen haben. Organisationen verpflichten sich freiwillig zu Verhaltenskodizes, Ehrenkodizes und Moralkodizes. Da sollte auch die Digitalisierung nicht außen vor bleiben.
ak-t

Literatur
1) Rafael Capurro: Digitalisierung als ethische Herausforderung
2) Florain Felix Weyh: DigiKant oder : Vier Fragen, frisch gestellt
3) DasInvestment: Digitale Technologien fördern ethisches Verhalten



Zurück