Energiedrachen ernten Wind

Wubbo Ockels, Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an der TU Delft und vor 26 Jahren der erste Niederländer im Weltall, hat 1997 eine Technologie zum Patent angemeldet, mit dem er die Windenergie besser als in den herkömmlichen Windkrafträdern nutzen will. Er will dafür Drachen in Höhen über 200 Metern einsetzen. Dort weht der Wind gleichmäßiger und mit höherer Geschwindigkeit. Die Vorteile sehen die Entwickler in günstigen Herstellungskosten und hoher Flexibilität. Das Hauptrisiko besteht in den noch unbekannten Unterhaltskosten.

Während die Niederländer die Steuerung am Boden lassen, steuert Makani Power seine Windturbinen in der Luft. Mit 25 Millionen Dollar von Google gesponsert, absolvierten die Amerikaner 2012 den ersten vollautomatischen Flug, bei dem das System selbstständig vom Schwebeflug in die gewünschte Bahn quer zum Wind wechselte. Ist der Prototyp noch auf 600 kW begrenzt, so strebt Makani langfristig eine Leistung von 5 MW an.

In Deutschland hat sich EnerKites vorgenommen, 80 Prozent der Zeit Strom zu produzieren und über 4000 Stunden im Jahr auf Volllast zu arbeiten. Das Prinzip ist dem der Delfter verwandt. Eine Hürde muss jedoch überwunden werden: Die Deutschen brauchen eine Sondergenehmigung der Luftfahrtbehörden.

Wer nun denkt, solch ausgefallene Ideen könnten nur im umweltbewussten 21. Jahrhundert entstehen, der irrt. Schon 1833 entwickelt John Etzler eine Vision, Windkraft zur Energieversorgung zu nutzen, unter anderem sah er Drachen zum Antrieb von Fahrzeugen vor. Ab 1943 wurden auf diesem Gebiet diverse Patente angemeldet. Wahrscheinlich strebt die Technologie jetzt ihrem zweiten Höhepunkt entgegen, in der sie nicht nur fasziniert, sondern auch profitabel wird.

ak-t



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