Die neuen Herausforderungen der Automobilbranche

Das Netzwerk von Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen identifizierte in reifen und neuen Märkten ähnliche Trends:

  • Urbanisierung
  • Umwelt
  • verändertes Kundenverhalten.

Die Automobilbranche wandelt sich in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren vom Autohersteller zum Mobilitätsanbieter. Die Befragten erwarten gravierende Änderungen im Ranking der Global Player. Für die ersten fünf Plätze werden nominiert:

  1. VW
  2. Hyundai / Kia, Südkorea
  3. BMW
  4. Tata, Indien
  5. BAIC, China.

Weitere Ergebnisse im Überblick: Die BRIC-Staaten gehen davon aus, dass 2025 Brennstoffzellen die Antriebe dominieren, mit Ausnahme von China, wo die Elektromobilität inklusive der erforderlichen Infrastruktur auf Basis des Fünfjahresplans vehement vorangetrieben wird. Man geht davon aus, dass weltweit bis 2026 neun bis vierzehn Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen werden. Interessanterweise sind schon jetzt einige der großen Zulieferer dabei, sich aus den Fesseln der OEMs (Fahrzeughersteller) zu befreien und bieten wie Johnson Controls eigene Fahrzeugkonzepte an.

Das Hauptrisiko sehen die Teilnehmer der Studie darin, dass die Fertigungskapazitäten in den kommenden fünf Jahren, getrieben von Asiaten, weiter ausgebaut und die Überkapazitäten damit noch zunehmen werden. Am kritischsten wird die Lage in Japan und USA gesehen; danach folgt Deutschland. Für 2016 werden in China Überkapazitäten von über sechs Millionen Fahrzeugen erwartet. Weltweit wird dann von 20 – 30 Prozent Überkapazitäten ausgegangen.

Was aus dieser Studie ist auch für kleinere Zulieferer interessant? Ihren Wert für die Kunden können sie mit eigenen Entwicklungen steigern und sich auf diesem Wege unabhängiger von einem Großabnehmer machen oder sich zu strategischen Partnern zu entwickeln. Risiken für sie entstehen dadurch, dass Marktteilnehmer aus anderen Branchen in den Automobilmarkt drängen. Nach den Elektrofirmen können sich jetzt auch IT- und Web 2.0-Unternehmen ein Stück vom Mobilitätskuchen sichern, weil die Menschen auch im Auto mit dem Internet verbunden sein wollen. Die Studie lässt erwarten, dass Automobil- und Kommunikationsbranche zusammenrücken werden.

Die Planungen der OEMs für Forschung und Entwicklung adressieren den Brennstoffzellen-Bedarf der BRICStaaten viel zu wenig. Auch auf diesem Gebiet können sich innovative Zulieferer Türen öffnen. Insgesamt bestätigt sich der Trend der letzten Jahre, dass interdisziplinäre Entwicklungs-Kooperationen den Partnern erlauben, mit neuen Produkten schneller am Markt zu sein. Dabei streben die OEMs vor allem strategische Allianzen mit Technologiepartnern – unabhängig von ihrer Größe – an.

Mit Blick auf die Überkapazitäten lässt sich festhalten, dass nur Unternehmen erfolgreich agieren können, die ihre Geschäftsmodelle und Strategien kontinuierlich weiterentwickeln. Hyundai / Kia macht das mit schnellen Entwicklungszyklen von 24 bis 36 Monaten vor und hat damit seine Wettbewerbsfähigkeit im Sektor der Mittelklassefahrzeuge mit geringem Verbrauch enorm steigern können. Wahrscheinlich werden einige Zulieferer den bevorstehenden, harten Wettbewerbskampf nicht überleben.

Innovativen Unternehmen bieten sich jedoch einmalige Chancen. Um sie wahrzunehmen, müssen sie sich darüber klar werden, welche Rolle sie zukünftig anstreben wollen und welche Partner sie dabei unterstützen können. Auf Basis meiner Erfahrungen empfehle ich ihnen, die Strategie flexibel dem sich schnell verändernden, hochkomplexen Mobilitätsumfeld anzupassen, um die neuen Chancen nutzen zu können. Sind Sie bereit dazu?



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