Die Kollegiale Beratung – eine Methode zur Problemlösung und Kompetenzerweiterung in Innovationsteams

Der Nutzen

Innovationsteams benötigen Kompetenzen zu konstruktiver Zusammenarbeit. Die zwischenmenschliche Verständigung ist nicht nur im Team von besonderer Bedeutung, sondern auch mit Kollegen in Linienfunktionen und bei Kooperationsprojekten mit den Partnern. Ich stelle Ihnen mit der „Kollegialen Beratung“ ein praxisbegleitendes Problemlösungs- und Qualifizierungsinstrument vor. Es eignet sich beispielsweise für Projektleiter in Forschung & Entwicklung, die ihre Fähigkeiten in der Steuerung von Projekten ausbauen wollen, aber genauso für Teammitglieder, die ihre Kompetenzen im Umgang mit schwierigen Kollegen erweitern wollen.

Der Nutzen für die Teilnehmer ist vielfach. Er setzt sich zusammen aus einem Rückhalt durch die Gruppe, Entlastung durch die Kenntnis ähnlich gelagerter Probleme bei anderen, dem fachlichen Austausch, der Herausbildung einer Kultur gemeinsamer Werte. Auf der anderen Seite zieht auch das Unternehmen Nutzen aus der Kollegialen Beratung: steigende Professionalität im Umgang mit Herausforderungen, fachübergreifende Vernetzung, Aufbau einer Unterstützungskultur und Rückgang der Kosten für externe Unterstützung. Lediglich ein Einführungstraining wird benötigt.

In der Kollegialen Beratung werden konkrete, arbeitsbezogene Praxisprobleme in einer Gruppe von fünf bis zehn gleichberechtigten Personen reflektiert und Lösungen werden entwickelt. Die Mitglieder der Gruppe beraten sich gegenseitig. Ein externer Berater ist nicht anwesend. Thematisch ausgeschlossen sind Konflikte innerhalb der Gruppe und technische Probleme, die ein tiefes Fachwissen erfordern. Dabei wird die Gruppe durch klare, relativ einfache Strukturen und ein systematisches Vorgehen unterstützt, welches von allgemeinen Erkenntnissen über das Lösen von Problemen abgeleitet ist. Ein Beratungsdurchgang sollte nicht länger als 30 bis 45 Minuten dauern. Alle Teilnehmer kennen den immer gleichen Ablauf und das Methoden-Repertoire, dessen sich die Gruppe bedient.

Die Kollegiale Beratung eignet sich beispielsweise für Fragestellungen, die neue Aufgaben, die Integration neuer Mitarbeiter in Projektteams, Probleme mit Teammitgliedern oder in der Projektarbeit, Schwierigkeiten mit externen Kooperationspartnern oder die eigene Arbeitsweise betreffen. Sie geht davon aus, dass die unterschiedlichen Kompetenzen und Berufserfahrungen der Teilnehmer für die Lösung von Praxisproblemen nutzbar gemacht werden können.

Die Vorgehensweise

Jedes Mitglied der Gruppe erhält zu Beginn der Beratung eine bestimmte Rolle: als Fallerzähler, Moderator, Berater oder Sekretär. Der Fallerzähler ist der Ratsuchende, der von den anderen Teilnehmern als Experte für seine Problematik respektiert wird, entscheidet selbst, welche Vorschläge er umsetzen will und bleibt auch für die Umsetzung verantwortlich. Die Berater dagegen sind die Methoden-Experten, welche die richtigen Fragen stellen, um den Fallerzähler auf andere Aspekte seines Problems hinzuweisen. Die Rollen wechseln bei jedem Durchlauf.

Eine Sitzung beginnt mit einer Fragerunde, in welcher die Gruppe klärt, wen ein Fall beschäftigt, zu dem er beraten werden möchte. Kommen mehrere Fälle auf den Tisch, wird möglichst einvernehmlich entschieden, wer sein Anliegen zuerst vorbringen darf. Er ist der Fallerzähler. Danach werden die Rollen des Moderators, der nicht gleichzeitig beraten darf und des Schriftführers, der auch beraten darf, festgelegt. Die übrigen Teilnehmer sind die Berater.
Zunächst stellt der Fallerzähler sein Problem vor, beantwortet Verständnisfragen und stellt eine Schlüsselfrage, auf die er sich während der Beratung Antworten erhofft. Er entscheidet, welche Methode für seinen Fall zum Einsatz kommen soll. Er hört den Beratern zu und nimmt erst am Ende Stellung in Form eines vorläufigen Resümees, was für ihn hilfreich war und was er zu tun gedenkt.

Dem Moderator fällt die wichtige Aufgabe zu, dafür zu sorgen, dass die Beratung im Interesse des Fallerzählers verläuft. Er sorgt für den zeitlichen Rahmen und die Beratungsstruktur. Die Berater steuern Ideen und Erfahrungen bei. Sie behandeln den Fallerzähler wie einen Kunden, zollen seiner Perspektive vollen Respekt und führen einen Dialog auf Augenhöhe. Die Wertschätzung des Fallerzählers durch die Berater ist wesentlich, damit sich dieser öffnet. Der Sekretär dokumentiert die Beiträge der Berater, damit der Fallerzähler nicht überfordert wird.

Einer Gruppe, die wenig Erfahrung in der Kollegialen Beratung mitbringt, stehen einfache Beratungsmethoden zur Verfügung. Erfahrenere Gruppen dagegen werden sich auch an komplexere Methoden heranwagen. Einige Beispiele, die erfolgreich eingesetzt werden, verbunden mit einem Praxisfall werde ich Ihnen im nächsten Newsletter vorstellen.
ak-t

Weiterführende Literatur:
K.-O. Tietze: Kollegiale Beratung. Rororo 2003



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