Deutsche Forschung – Quo vadis?

Deutschland gilt als einer der weltweit führenden Innovationsstandorte. Laut statista-Branchenreport 2013 haben die Umsätze in der Branche Forschung & Entwicklung (F&E) mit 7,2 Mrd. Euro wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Im europäischen Maßstab liegen wir damit auf Platz 2 hinter Großbritannien. In 2011 waren in Deutschland 8.800 F&E-Dienstleister tätig. Allerdings fällt deren eigene Innovationsintensität mit 7,2% unter das Niveau der Fahrzeugbranche.

„Deutsche Forschung ist nicht so gut, wie wir uns dauernd gegenseitig bescheinigen“, warnt Hans-Jörg Bullinger am 22. Oktober im Handelsblatt. Er leitete zehn Jahre lang die Fraunhofer-Gesellschaft, den mit 20.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 2 Mrd. Euro wichtigsten Forschungspartner deutscher Unternehmen. Weil deutsche Forschung teuer ist, lassen Konzerne wie Daimler und Bosch zunehmend im Ausland forschen. Bullinger zieht daraus den Schluss, dass auch die deutschen Forschungsinstitute ins Ausland gehen müssen: „Wenn wir vor Ort mit Einheimischen zu örtlichen Preisen deutsche Forschungsqualität liefern, sind wir unschlagbar.“ Er plädiert weiterhin dafür, das Wissenschaftssystem noch besser zu vernetzen, weil die Probleme immer komplexer würden.

F&E-Projekte deutscher Unternehmen werden also über kurz oder lang spürbaren Wettbewerb auf qualitativ hohem Niveau aus dem Ausland bekommen. Wollen sie im globalen Maßstab weiterhin an der Spitze bleiben, müssen sie ihre Innovationsanstrengungen noch verstärken.

ak-t



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