Auf ins frugale Innovationslabor!

„Frugale Innovation“ hat sich seit 2010 zum Schlagwort entwickelt. Es wurde auch auf der Hannovermesse thematisiert, zum Beispiel in einem Symposium des Landes Niedersachsen. Diese Innovationen zielen primär auf die aufstrebenden Märkte. Roland Berger und Siemens gehen davon aus, dass die Kaufkraft der globalen Mittelschicht bis 2030 auf 56 Billionen Dollar anwachsen wird. Auf 2009 bezogen wäre das eine Steigerung um 160 %. Über 80 % des Wachstums sollen aus Asien kommen. Ist die Innovation erfolgreich, können die Innovatoren versuchen, sie in benachbarte, weiterentwickelte Länder zu transferieren, bis hin in die entwickelten Märkte. Weil es sich im Ursprungsland um Massenprodukte handelt, stimmt in der Regel auch die Qualität.

Doch was verbirgt sich dahinter? Frugale Innovation ist ein Prozess zur Reduzierung der Komplexität von Produkten und deren Herstellungsprozessen. Unwichtige Details eines Produkts werden eliminiert. Die Entwickler konzentrieren sich auf die Kernfunktionen und senken auf diesem Wege die Kosten. Gleichzeitig sollen die Produkte meist robust, transportfähig, einfach zu bedienen und eine Einheit aus Produkt, Service sowie Finanzierungsmöglichkeiten sein.

Ein Beispiel ist der ChotuKool Fridge, ein kleiner Kühlschrank der indischen Firma Godrej. Anstelle des üblichen Kompressors ist er mit einem computerisierten Ventilator ausgestattet. In den Industrienationen wird er inzwischen beispielsweise beim Camping eingesetzt. Der Economist berichtete in 2010 über das General Electrics Health Care-Laboratory, ein Gesundheitslabor in Bangalore. Dessen wichtigstes Produkt war ein kleines, mobiles EKG. Es besitzt nur vier Knöpfe zur Bedienung, ist batteriebetrieben und mit einem minimalisierten Drucker ausgestattet. Das Gerät passt in einen Rucksack.

Welche Kernfunktionen wichtig sind, kann von Land zu Land variieren. So kommt beispielsweise in abgelegenen Gegenden einer langen Lebensdauer oder Wartungsfreiheit ein höherer Stellenwert zu als in einer Stadt, wo der nächste Service in kurzer Zeit vor Ort sein kann. Die Infrastruktur in der jeweiligen Region ist von Bedeutung. Auch die Verfügbarkeit von Ressourcen, seien es Fachleute, Rohstoffe oder Energie, spielt eine Rolle. Auf der einen Seite werden frugale Innovationen durch die gerade beschriebenen Gegebenheiten in dem jeweiligen Land getrieben, auf der anderen Seite durch die Bedürfnisse der ärmeren Bevölkerungsschichten. Bei Standardinnovationen werden diese häufig gar nicht betrachtet, weil sie nicht zahlungskräftig sind. Der Mangel an Ressourcen und Kapital wird zum Innovationstreiber frugaler Innovationen.

Frugale Innovationen erfordern, nicht nur das Produkt, sondern auch das Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen. Existierende Technologien können für eine neue Anwendung genutzt werde. So wurden beispielsweise in Indien Fernsehgeräte über Handys mit dem Internet verbunden. Auch die Cross Innovation-Methode, bei der  Techniken von einer Branche auf eine andere übertragen werden, kann eingesetzt werden, wobei es besonders auf Methoden zur Massenproduktion ankommt.

Frugale Innovationen hatten ihren Ursprung in Indien, haben jedoch inzwischen auch in China Fuß gefasst. Dort spielen bei den Geschäftsmodellen flexible Netzwerke eine besondere Rolle. So hat der Motorradhersteller Dachangjiang ein großes Netz von Hinterhof-Zulieferern – und damit die Möglichkeit, seine Produktion sehr schnell an die volatilen Märkte anzupassen. Kooperationen mit regionalen Lieferanten bieten bei frugalen Innovationen in allen Ländern besondere Vorteile. Die nächsten Kandidaten scheinen Südamerika und Afrika zu sein.

Und so sieht das frugales Innovationslabor von K-T Innovation, das Sie gern nutzen können, aus:

1. Zielgruppenbefragung vor Ort

  • Was sind die dringendsten Probleme der Zielgruppe?
  • Wie viel Geld kann die Zielgruppe für Lösungen ausgeben?
  • Welchen Aftersales Service erwartet die Zielgruppe?
  • Welche Lösungsansätze regionaler Wettbewerber gibt es schon?

2. Analyse vorhandener Produkte

  • Kann eines der vorhandenen Produkte die Erwartungen der Zielgruppe lösen?
  • Welche Eigenschaften vorhandener Produkte braucht die Zielgruppe nicht?
  • Welche Eigenschaften müssen angepasst werden?
  • Welche zusätzlichen Eigenschaften sind erforderlich?
  • Ist ein radikal neuer Ansatz erforderlich?

3. Konzept des Produkts und seiner Herstellung

  • Produktdesign auf Basis der Ergebnisse von 2.
  • Welche Modularisierungsmöglichkeiten bieten sich an?
  • Haben wir alle Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt?
  • Welche Zielkosten streben wir an?

4. Konzept des Geschäftsmodells

  • Welche Partner können uns unterstützen?
  • Welche Alternativen für die Wertschöpfungskette sind denkbar?
  • SWOT-Analyse
  • Wie sieht die Business Model Canvas aus?

ak-t



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