Predictive Maintenane - Wo stehen die Unternehmen?

Predictive Maintenance oder vorausschauende Wartung soll helfen, Kosten zu sparen. Feste Wartungsintervalle gehören der Vergangenheit an. Sensoren und eine Wartungssoftware erkennen frühzeitig einen Ausfalle einer Komponente. So können Ausfallzeiten reduziert, Strom gespart und Wartungskosten reduziert werden. Selbst neue Geschäftsmodelle durch Vernetzung mit Kunden werden möglich.
Europäische Konsortien aus Hochschulen und Unternehmen führen gemeinsame, teilweise geförderte Projekte durch, wie zum Beispiel „UPTIME“. Unter Führung des Bremer Instituts für Produktion und Logistik wird ein Werkzeugkasten entwickelt, der auf Basis von Zustandsdaten der Maschine direkt Handlungsempfehlungen liefern soll. Konkurrenz kommt jedoch auch aus der Softwarebranche, zum Beispiel von TeamViewer. TeamViewer, dafür bekannt, das Rechner über das Internet gesteuert werden können, hat eine IoT-Software entwickelt, die für Fernwartung und Predictive Maintenance eingesetzt werden soll. Auch SAP bietet entsprechende Module an. Bei anderen Anwendungen ist die vorausschauende Wartung längst über das Entwicklungsstadium hinausgekommen. Die Stadtbahnen in Düsseldorf sollen künftig per Funk Daten direkt in die Werkstätten liefern und die Deutsche Bahn will bis 2020 rund 30.000 Weichen mit Sensoren von Voestalpine ausstatten, um diese intelligent und damit auch weniger fehleranfällig zu machen. Die Privatmolkerei Bechtel verarbeitet Daten des Kesselsystems und der Wasseraufbereitung für Wartungszwecke.
Man sollte meinen, die Unternehmen müssten von der vorausschauenden Wartung überzeugt sein. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Bearing-Point erwarten tatsächlich 80 Prozent der Befragten eine höhere Anlagenverfügbarkeit und 60 Prozent sinkende Wartungskosten. Obwohl 76 Prozent von ihnen Daten erfassen und 59 Prozent diese auswerten, nutzen allerdings nur 20 Prozent die Daten für die Wartung. Sie geben an, vor hohem Implementierungsaufwand und Sicherheitsbedenken zurückzuschrecken. Oder lässt die Überzeugung doch zu wünschen übrig? Zu diesem Ergebnis kommt eine andere Studie von der Unternehmensberatung Staufen, der Deutsche Industrie 4.0 Index 2017.  Nach dieser Studie sehen nur 6 Prozent einen großen Nutzen in Predictive Maintenance.
Die Ursache für die unterschiedlichen Ergebnisse liegt möglicherweise darin, welche Entwicklungsstufen nun genau der Predictive Maintenance zuzuordnen sind. In den Unternehmen selbst herrscht offenbar nach wie vor Untersicherheit. Das fängt mit der IT-Sicherheit an, einem Thema das auch bei anderen Belangen eine hohe Bedeutung hat. Mein Fazit ist, dass die Unternehmen diese Themen im Umfeld des globalen Wettbewerbs nicht länger vor sich herschieben dürfen, sondern sie anpacken müssen. Nützlich ist dabei der praxisnahe Leitfaden für Cyber Security des VdS. Nach der IT-Sicherheit kann die Roadmap zur Predictive Maintenance erarbeitet werden. Die Antwort auf die Frage „Wie viel Zeit haben wir?“ kann nur lauten: Das Umfeld wartet nicht bis wir fertig sind.

ak-t



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