New Work – eine Folge der Digitalisierung

Wer rät Faust, so weiter zu machen, weil alles gut geht? Richtig, es ist Mephisto. Eingedenk der Tatsache, dass die mittlere Lebensdauer von Unternehmen inzwischen auf 15 Jahre gesunken ist, erscheint es als teuflischer Rat an Geschäftsführer, so wie bisher weiterzumachen. Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändern die Arbeitswelt. Das steht fest. Nicht fest steht jedoch, wie wir damit umgehen. Stieren wir wie das Kaninchen auf die Schlange oder nutzen wir die Chancen, die sich aus den neuen Entwicklungen ergeben?
Der Philosoph Richard David Precht mutmaßte auf der XING-Veranstaltung „New Work Experience 2018“ in Hamburg, dass die Menschen früher viel glauben mussten, weil sie wenig wussten. Heute sei es jedoch so, dass sie nicht glauben wollen, was sie eigentlich wissen. Er meinte die Folgen aus Transformationen. Schon die industriellen Revolutionen der Vergangenheit haben zu höherem Wohlstand bei niedrigeren Arbeitszeiten geführt. Sie haben auch neue Berufe hervorgebracht. Vermutlich wird die Entwicklung der digitalen Transformation ähnlich sein. Genau weiß es noch niemand. Aber wir haben es jetzt in der Hand, sie so zu steuern, dass niemand mehr stupide Arbeiten erledigen muss. Möglicherweise kommt es zu dem Widerspruch, dass auf der einen Seite die Anzahl der Arbeitslosen zunimmt und auf der anderen Seite Facharbeiter fehlen. Mein Fazit daraus ist, dass die Unternehmen nicht nur den aktuellen Weiterbildungsbedarf ihrer Mitarbeiter ermitteln, sondern darüber hinaus einen Blick in die Zukunft werfen müssen. Welche Arbeiten müssen im Zuge der Digitalisierung in zwei bis drei oder auch fünf Jahren von Menschen erledigt werden und welche Fähigkeiten benötigen diese Menschen dann? Es wird auch politischer Korrekturen bedürfen, um mit einem möglichen niedrigeren Bedarf an Arbeit so umzugehen, dass die Schere zwischen Armen und Reichen nicht weiter auseinanderklafft.
Auch wenn wir vor disruptiven Veränderungen stehen, wäre es sicher falsch, alles Bewährte über Bord zu werfen. Die Kunst ist es jetzt, die richtige Balance zwischen Altem und Neuen zu finden. Konzerne sind schon am Ausprobieren. Durch die Presse ging und geht das Beispiel des Stahlhändlers Klöckner. Als die Geschäfte schlechter liefen, sah sich Vorstand Gisbert Rühl mit der Situation konfrontiert, dass er keine Erneuerungswilligen im Konzern fand. So begab er sich in die Berliner Gründerszene und gründete das Startup klöckner.i. Parallel dazu führte er das Standardgeschäft weiter. Inzwischen ist klöckner.i auf über 40 Mitarbeiter angewachsen und die neue Herausforderung besteht darin, die Kulturen der Gründerszene und des Stammunternehmens zu verschmelzen. Vattenfall dagegen setzt auf einen Weg der Erneuerung von innen, um den gewaltigen Änderungen in der Energiebranche gerecht zu werden. Wahrscheinlich muss jedes Unternehmen, abhängig von seinem Mitarbeiterstamm und seinem Umfeld, einen eigenen Weg in der digitalen Transformation finden. Das gilt auch für Mittelständler. Sie müssen ihn suchen und beschreiten, automatisch passiert nichts.
Dabei geht es nicht ausschließlich um Themen wie das Home Office. Selbst die Steigerung der Effizienz wird im Zuge des Fortschritts nicht mehr ausreichen, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Die erfolgreichsten Ansätze sind neue Geschäftsmodelle. Dabei kommen möglicherweise selbst relativ neue Plattformen wie Uber oder AirBnB in Bedrängnis. Bitcoins könnten sie überflüssig machen, weil Anbieter und Kunde auf sicherem Wege direkt in Kontakt treten können. Hier werden sich die wahren Potenziale von Bitcoins zeigen. Sie gehen weit über die von Kryptowährungen hinaus. Diese Beispiele zeigen einmal mehr, dass das Bessere der Feind des Guten ist. Niemand kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen und die Beschleunigung der Veränderungen nimmt weiter zu.
k-t



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